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Bandgeschichte

1982–1986: Gründung und erste Bandjahre

Gegründet wurden Die Ärzte (kurz: ) 1982 von Farin Urlaub, der mit bürgerlichem Namen Jan Ulrich Max Vetter heißt, Bela B. (Dirk Felsenheimer) und Sahnie (Hans Runge). Bela und Farin gehörten zuvor der Punkband Soilent Grün an. Daher wird diese auch häufig als Vorgängerband der Ärzte bezeichnet. Laut offizieller Biografie wählten sie den Namen „Die Ärzte“ aus keinem bestimmten Grund, auch wenn es immer wieder Theorien über die Entstehung gibt, etwa dass Bela in Plattengeschäften immer eine Band mit dem Anfangsbuchstaben „Ä“ vermisste.

Ihr erstes Konzert gaben Die Ärzte Ende des Jahres 1982 in einem besetzten Haus in West-Berlin. Kleine Fernsehauftritte und der Gewinn des mit 10.000 DM (5112,92 Euro) dotierten Berliner Senatsrockwettbewerbes schlossen sich an. Mithilfe des Preisgeldes nahmen Die Ärzte die Mini-LP „Uns geht's prima...“ auf, die im Jahr 1984 veröffentlicht wurde. Diese war auf weißem Grund mit einem roten Kreuz bedruckt worden, welches auch auf den Konzertplakaten zu sehen war und nach Aussage Bela B.s zu einigen Missverständnissen führte: Angeblich hätten sich an den Abenden auch Menschen eingefunden, die Blut spenden wollten. Ein Rechtsstreit mit dem Deutschen Roten Kreuz, dem gesetzlich bestimmten Inhaber dieses Zeichens, folgte, und den Ärzten wurde die weitere Verwendung des Logos verboten. Die LP wurde fortan mit einem andersfarbigen Kreuz bedruckt, wie z. B. blau, grün oder golden.

Durch die Debüt-Single wurde Columbia Records (heute Sony) auf Die Ärzte aufmerksam und nahm die drei unter Vertrag. Noch 1984 nahm die junge Band in nur dreizehn Tagen ihr Debüt-Album „Debil“ auf, welches sie teilweise selbst produzierte. „Debil“ stellte den kommerziellen Durchbruch der Ärzte dar.

1985 veröffentlichten Die Ärzte ihr zweites Studioalbum „Im Schatten der Ärzte“. Ein Jahr später verließ Sahnie die Band. Farin und Bela hatten ihm immer häufiger den Vorwurf gemacht, er kümmere sich nicht genug um die Musik, er spiele nur noch wegen der Groupies und des Geldes. Er galt zudem als unzuverlässig, sein BWL-Studium war ihm wichtiger. Als er zu Farin sagte, Bela solle aus der Band geworfen werden und die Band brauche sein Gesicht, entbrannte ein Streit unter den Mitgliedern, Sahnie verließ die Band und trat gegen Zahlung von 10.000 DM (5112,92 Euro) seine Rechte an der Musik an Bela und Farin ab.

1986–1988: Indizierungen, Veröffentlichungen in der DDR und Auflösung

Bereits 1986 folgte die Veröffentlichung des dritten Studioalbums „Die Ärzte“, dessen Cover nur noch Farin und Bela zierten. Auch das dritte Album wurde ein Erfolg. Am Bass ersetzte The Incredible Hagen alias Hagen Liebing Sahnie; Liebing spielte mit dem Status eines „Assistenz-Arztes“, den er bis zur Auflösung der Band 1988 behielt, das heißt, er musste keinerlei Studio-Arbeiten übernehmen, sondern nur auf Tour spielen. Am Anfang machte ihm allerdings selbst das Probleme: Teilweise schämte er sich für Belas und Farins Ansagen.

Am 27. Januar 1987 wurde das Album „Die Ärzte“ wegen des Liedes „Geschwisterliebe“ indiziert; diese Indizierung wurde am 2. Dezember 2004 durch die BPjM überprüft und bestätigt. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indizierte am 10. Juni 1987 dann auch die LP „Debil“ wegen des Lieds „Claudia hat 'nen Schäferhund“ und „Schlaflied“. Diese Indizierung wurde am 29. Oktober 2004 allerdings wieder aufgehoben. Der Karstadt-Konzern nahm nach der Indizierung der beiden Alben das ganze Programm der Ärzte aus dem Sortiment; Fernsehauftritte gestalteten sich für Die Ärzte in dieser Zeit zunehmend schwieriger. Ein finanzielles Desaster zeichnete sich ab, sodass bereits zu diesem Zeitpunkt in der Band erstmals über eine Auflösung nachgedacht wurde, da die Mitglieder kein finanzielles Polster besaßen und die Einnahmen aus den CD-Verkäufen und der GEMA-Rechteverwertung stark zurückgegangen waren.

Als Reaktion auf diese Indizierung der Stücke veröffentlichten Die Ärzte 1987 die Mini-LP „Ab 18“ und die LP „Ist das alles? – 13 Höhepunkte mit den Ärzten“. Auf dem Album „Ist das alles?“ waren mehrere nicht indizierte Titel auch für Fans unter achtzehn Jahren zu haben.

Dennoch missachteten Die Ärzte mehrfach die Indizierungsentscheidung der BPjM. Anlässlich eines Konzertes am 22. Juni 1988 in Kleve spielten Die Ärzte eine Instrumentalversion des Lieds „Geschwisterliebe“ und wurden daraufhin durch das Amtsgericht Kleve in einem Strafverfahren wegen Verstoßes gegen die Indizierungsentscheidung jeweils zu 1.000 DM (ca. 500 &euro Geldstrafe verurteilt, welche die Band auch akzeptierte. Späteren Aussagen der Band zufolge beruhte diese geringe Geldstrafe auf einer krassen Fehleinschätzung der Einkünfte der Band durch die Richter.

Tatsächlich hatten Die Ärzte lediglich in der letzten Zeile des Stückes das Wort „Liebe“ mitgesungen. Nicht zuletzt ein inoffiziell gefertigtes Bootleg (und heute durchaus begehrtes Sammlerstück unter DÄ-Fans) eines Zuschauers des Konzertes in Kleve widerlegte diese These des Amtsgerichts Kleve. Dennoch hatten Die Ärzte vorher die Zuschauer in ironischer Weise gebeten, den Text nicht mitzusingen und sind wohl auch daher nicht gegen das Urteil vorgegangen. Live hatten Die Ärzte zudem das Lied „Claudia III“ gespielt, welches als Provokation für die Bundesprüfstelle gedacht war. „Claudia“ hatte nun, anders als im indizierten „Claudia hat 'nen Schäferhund“, „christlichen Verkehr“. Das Lied wurde im Übrigen nicht von der Bundesprüfstelle beanstandet.

Obwohl Die Ärzte aus dem damals geteilten Berlin stammen, haben sie erst spät versucht, auf dem ostdeutschen Musiksektor Fuß zu fassen. Wesentlichen Einfluss auf das politische Engagement in der DDR hatte der erklärte „DDR-Freund“ und Neu-Bassist Hagen Liebing im Jahre 1986. In der Danksagung des Albums „Das ist nicht die ganze Wahrheit...“ heißt es ausdrücklich: „...alle Fans und Freunde in der DDR...“. Hagen war es auch, der erste Kassetten mit Musik der Band bespielte und in Ost-Berlin in Kaufhäusern, Restaurants und Jugendclubs vorführte. Aus diesem Engagement heraus wurde der damalige Jugendradiosender DT64 auf Die Ärzte aufmerksam und arrangierte ein Interview, das – vorerst zumindest – nicht ausgestrahlt wurde.

Bei einem zweiten Besuch in Ost-Berlin besuchten Die Ärzte ein Konzert der Band Die Anderen, und der Wunsch reifte, eine eigene Tournee durch die DDR zu veranstalten. Der Manager der Band Conny Konzack arrangierte schließlich mit der staatlichen Plattenfirma AMIGA die Veröffentlichung einer LP und einer Kurztournee mit zehn Auftritten, trotz diverser Skandale und Indizierungsentscheidungen um die Band.

Im Einvernehmen mit AMIGA wurde die LP „Ist das alles?“ zur Veröffentlichung ausgewählt. Vier Stücke wurden jedoch ausgetauscht. Den Regeln der Planwirtschaft folgend prognostizierte AMIGA eine Auflage für die LP von 2 000 Stück. Zur Veröffentlichung sollte es nicht kommen, da das erwähnte Radiointerview mit DT64 kurz darauf ausgestrahlt wurde. Die Kulturbehörde setzte daraufhin Album und Tour kurzerhand aus und vertagte eine erneute Entscheidung hierüber. Mit dem Fall der Berliner Mauer brach der Kontakt zwischen Columbia Records und AMIGA ab; Die Ärzte hatten sich zudem in der Zwischenzeit aufgelöst. Aus heutiger Sicht betrachtet resümiert Bela B. in der Biografie: „... die DDR war passé und wir hatten uns aufgelöst. Im Nachhinein hätten wir mindestens ein Mal in Ost-Berlin spielen sollen.“

Die Auflösung der Band war zu dieser Zeit bereits beschlossen. „Das ist nicht die ganze Wahrheit...“ sollte die letzte Studioplatte sein. Sie verkaufte sich erwartungsgemäß sehr gut. Die Gerüchte um eine mögliche Trennung der Ärzte heizten den Album- und Konzertticketverkauf an. „Westerland“ wurde dann ihr zunächst kommerziell größter Erfolg, der Radio-Boykott der Ärzte war nun endgültig beendet. Es folgte die Abschiedstour, auf der die „Nach uns die Sintflut“-LP aufgenommen wurde. Am 9. Juli 1988 fand in Westerland auf Sylt ein Abschiedskonzert statt.

Daraufhin erschien 1988 als vorerst letzte geplante Veröffentlichung das Dreifach-Live-Album „Nach uns die Sintflut“ mit insgesamt 37 Live-Stücken. Gegen den Willen der Plattenfirma wurde es zum Preis einer Doppelscheibe verkauft. Die Live-CD der Ärzte war die erste ihrer Art, die Platz 1 in den deutschen Album-Charts erreichen konnte.

1989–1993: Zwischenzeit

Nach der Auflösung erschien 1989 die LP „Die Ärzte früher! – Der Ausverkauf geht weiter!“, die neben alten Sampler-Beiträgen und Liedern der ersten Platten auch vier zuvor unveröffentlichte Titel enthielt.

Von 1988 bis 1993 versuchten sich Farin und Bela mit den Bands King Køng und Depp Jones (erst S.U.M.P), doch der kommerzielle Erfolg blieb in beiden Fällen aus.

1993–1999: Neugründung und Folgejahre

1993 beschlossen Bela und Farin zusammen mit Depp Jones-Gitarrist Rodrigo González am Bass die Neugründung der Band. Es war Farin, der am Höhepunkt der damaligen Bandgeschichte die Trennung der Band vorgeschlagen hatte. In einem mehrseitigen Brief an Bela schlug er ihm 1993 vor, „mit den Ärzten wieder Geld zu verdienen“. Der Chilene Rodrigo González war bereits seit längerer Zeit mit Bela befreundet.

Ihre neue Plattenfirma suchten sie mit einer ganzseitigen Anzeige („Beste Band der Welt sucht Plattenfirma&ldquo in der Zeitschrift „Musik Markt“. Somit konkurrierten einige Plattenfirmen um das beste Angebot, woraufhin sich Die Ärzte die Plattenfirma Metronome auswählten. Außerdem erwarb Bela bei der Beckenfirma PAISTE einen Vertrag, der ihm das Produkt für Konzerte, Proben und Aufnahmen zusicherte. Danach nahmen Die Ärzte das Album „Die Bestie in Menschengestalt“ auf, mit dem die Rückkehr der Ärzte gelang. Mit der ersten erfolgreichen Single-Auskopplung „Schrei nach Liebe“ hatten Die Ärzte den aufkeimenden Rechtsextremismus im gerade wiedervereinigten Deutschland aufgearbeitet. Danach gingen Die Ärzte bis 1994 auf Tournee: Zunächst auf der „Plugged“-Tour und anschließend einer vom Namen her an den SAT.1-Film-Film angelehnten Tour namens „Tour Tour“. Wortmalerisch wurde damit außerdem auf „Tortur“ angespielt.

1994 erschien das Best-Of-Album „Das Beste von kurz nach früher bis jetze“ mit vielen „alten“ Liedern. Es wurden aber auch einige B-Seiten und einige der bekannten „Moskito-Stücke“ (Samplerbeiträge aus den 80ern für das Jugendmagazin Moskito) auf dem Doppelalbum zusammengefasst.

1995 erschien außerdem die LP „Planet Punk“. Das Album geriet um einiges „punkiger“ als die vorherigen. Die „Eine Frage der Ehre“-Tour schloss sich an.

Im gleichen Jahr nahmen Die Ärzte die LP „1, 2, 3, 4 – Bullenstaat!“ auf. Dieses deutlich aggressivere Album war nur auf Konzerten und bei den Fanclubs käuflich zu erwerben und erschien ausschließlich als 7"-Vinyl-Album (später auf dem Album "5, 6, 7, 8 – Bullenstaat!" auch auf CD als Bonus-Tracks).

Im Jahre 1996 erschien das KonzeptalbumLe Frisur“, das sich ausschließlich mit dem Thema „Haare“ befasste. Die große Tour „Voodoo Lounge“ schloss sich an. Mit dem Titel persiflierten Die Ärzte die Rolling-Stones-Tour. Die Tour-Videos „Gefangen im Schattenreich von Die Ärzte“ und „Noch mehr Gefangen im Schattenreich von Die Ärzte (Teil 2)“ erschienen noch im selben Jahr.

1996 ging außerdem für den Bassisten Rod und den Schlagzeuger Bela B. ein Traum in Erfüllung. Die Rockband KISS startete eine Reunion-Tour und Die Ärzte durften in Deutschland und der Schweiz als Vorband agieren. Dabei spielten die drei um die 75 Minuten. Auch 1997 schlossen sich weitere Konzerte als Vorband von KISS an. Eine nicht beworbene „Ärzte live“-Tour folgte.

Seit 1998 schreiben Die Ärzte ihren Bandnamen klein. Da die Plattenfirma Metronome Pleite gegangen war, gründeten sie ihre eigene Plattenfirma „Hot Action Records“. Mit dem Album „13“ waren Die Ärzte sehr erfolgreich: Die Singleauskopplung „Männer sind Schweine“ erreichte erstmals Platz 1 der deutschen Single-Charts. Ende 1998 startete die Band die Geheimtour „Paul“, von der nur Mitglieder des Ärzte-Fanclubs informiert wurden. Die „Attacke Royal“-Tour, die knapp 70 Konzerte umfasste, schloss sich an, nach der die Band kurz vor der erneuten Auflösung stand, da sie sich nach eigener Aussage „einfach nicht mehr sehen konnten“, nachdem sie nun knapp ein Jahr lang ständig zusammen waren.

Ende 1999 erschien die Live-Doppel-LP „Wir wollen nur deine Seele“. Für Fanclubmitglieder der Ärzte gab es noch eine Live-Zugabe. Unter dem Titel „Satanische Pferde“ – einer CD, die nur im Fanclub zu erwerben ist – veröffentlichten Die Ärzte eine weitere Live-Platte, auf der viele Titel vertreten waren, die es wegen der Überschneidungen zur ersten Live-LP nicht noch mal auf „Wir wollen nur deine Seele“ geschafft hatten.

2000 bis 2006

Anfang 2000 folgte die Geheimtour „Sie operieren wieder“, auf der Die Ärzte als „Die Zu Späten“ auftraten. Bei zwölf Konzerten mit improvisierter Karaoke-Show mit dem Publikum kam es im BerlinerSO36“ in Kreuzberg zu einem gemeinsamen Konzert mit den Toten Hosen. Als Geheimprogramm der „Toten Hosen“ hatten diese sich als „Essen auf Rädern“ auf Tour begeben. Ein zusätzlicher Auftritt als Revanche im Vorprogramm von „Essen auf Rädern“ in Düsseldorf im TOR 3 folgte, bei dem beide Bands zusammen noch einige alte ZK-/Punk-Lieder spielten.

Das nächste Studioalbum „Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!“ erschien am 20. Oktober 2000 in einer hellblauen Plüschtasche. Vier Tage zuvor hatten die drei die neue Single „Wie es geht“ live bereits vor der offiziellen Veröffentlichung zum Geburtstag von Harald Schmidt in dessen Late Night Show Die Harald Schmidt Show aufgeführt.

Vor der sich anschließenden Tour hatten Die Ärzte am Aschermittwoch 2001 im Internet zusammen mit T-Online einen zweistündigen Live-Stream online verfügbar gemacht. Unter dem Titel „Üben, Unsichtbarer!“ präsentierten Die Ärzte ein Wunschkonzert (Fans konnten sich per Chat Lieder wünschen) aus dem Probenraum der Band. Ebenfalls 2001 erschien das Album „5, 6, 7, 8 – Bullenstaat!“, das neben seinem Vorgänger von 1995, das fast ausschließlich aus Coverversionen deutscher Punkbands bestand, auch etwa zwanzig weitere Stücke enthielt. Auch diese Platte wurde ausschließlich auf Konzerten und per Fanclub verkauft.

Eher als Spaß gedacht, erschien am 5. März 2001 „Yoko Ono“ als Single – das Lied an sich hat eine Laufzeit von nur 30 Sekunden. Das Video zur Single schaffte es mit seinen 45 Sekunden gar in das Guinness-Buch der Rekorde. Im Sommer 2001 folgte die Tour „Rauf auf die Bühne, Unsichtbarer!“. Die Ärzte spielten neben Deutschland, Österreich und der Schweiz auch erstmals in Luxemburg und Italien, jeweils aber nur ein Konzert. Im Anschluss an das Tourabschlusskonzert in Westerland folgte im Herbst 2001 die Lesetour zur eigenen Biografie „Ein überdimensionales Meerschwein frisst die Erde auf“, die vom Ärzte-Fan und Fanclub-Leiter Markus Karg geschrieben wurde. In Kinos in Deutschland, Österreich und der Schweiz lasen Die Ärzte aus der eigenen Biografie.

Am 21. Juni 2002 gab die Gruppe auf dem Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg vor etwa 35 000 Zuschauern ihr 20-Jahre-Jubiläumskonzert mit dem Titel „15 Jahre netto“. Der Konzerttitel war als Anspielung auf die Auflösung der Ärzte zwischen 1988 und 1993 zu verstehen. Für den Eintrittspreis von 7 Euro spielten Die Ärzte ca. drei Stunden live vor dem Publikum die Höhepunkte der Bandgeschichte. Zum Jubiläumskonzert hatten Die Ärzte eine aufwändige Bühnenshow arrangiert (u. a. Feuerfontänen und Leuchtschriften) und zwei große „Gwendolyne-Puppen“ an der Bühne aufgehängt. Rod spielte live auf dem Synthesizer und der Wandergitarre und als Überraschungsgast stand Hagen Liebing bei der Performance von „2000 Mädchen“ am Bass. Höhepunkt des Abends war der Klassiker „Zu spät“.

Am 31. August 2002 gaben Die Ärzte im Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hamburg ihr erstes Unplugged-Konzert. Begleitet wurde die Band unter anderem vom dortigen Schulorchester sowie dem Schulchor. Aus den Mitschnitten veröffentlichten Die Ärzte am 4. November 2002 die LP „Rock'n'Roll Realschule“, am 6. Dezember 2002 erschien die gleichnamige DVD. Danach wurde es wieder ruhig um Die Ärzte, Farin ging zwischenzeitlich mit dem „Farin Urlaub Racing Team“ (kurz: FURT) auf Tour. Im März 2003 spielten Die Ärzte unter dem Namen Nudo Tra I Cannibali (Nackt unter Kannibalen) eine Geheimtour mit zehn Auftritten namens „Giocare Ai Birilli For Montagna Trasversale“ Giro Del Tedesco 2003 in kleinen Clubs quer durch Deutschland.

Am 29. September 2003 erschien das erste Studio-Doppelalbum der Band, „Geräusch“. Mit dem auch als Single ausgekoppelten Lied "Deine Schuld" schlugen Die Ärzte erstmals seit 1993 wieder eindeutig politische Töne an. Die „Jenseits der Grenze des Zumutbaren“-Tour mit der Hamburger Hip Hop-Gruppe Fettes Brot als Vorband folgte; auf Grund der hohen Nachfragen gaben Die Ärzte am Wochenende vom 18. bis 20. Juni 2004 in der Berliner Wuhlheide drei Zusatzkonzerte vor jeweils 20 000 Fans, wobei als Vorgruppe jeweils die Village People engagiert wurden. Teile der „Unrockstar“-Tournee bekamen auch die Berliner zu sehen; so spielte Rod am Flügel, und einen Teil der Show spielten Die Ärzte in Schuluniform unplugged. In Oberhausen schnitten Die Ärzte auf der Tour die erste reguläre Live-DVD mit, die unter dem Titel „Die Band, die sie Pferd nannten“ seit dem 23. August 2004 im Handel erhältlich ist. Die Ärzte wollten die DVD eigentlich „Das Auto des Jahres“ nennen, weshalb sie nun den Untertitel „The DVD formerly known as Das Auto des Jahres“ trägt.

Vor der sich nun anschließenden „Unrockstar“-Tour, welche 47 Konzerte umfasste, machten Die Ärzte wieder Urlaub. Das Abschiedskonzert wurde von den Ärzten vor 22 000 Menschen am 8. August 2004 in der Berliner Waldbühne gegeben. Die Karten waren in kürzester Zeit ausverkauft.

Im Herbst 2004 erschien ein Liederbuch mit den Texten und Akkorden aller 262 veröffentlichten Titel. Im November folgte als Jahresabschluss die erste Die-Ärzte-Tour durch Südamerika. Unter anderem traten sie in Buenos Aires, Santiago de Chile und San Carlos in diversen Clubs als Vorgruppe von La Vela Puerca auf. Seit dem 30. November 2004 steht außerdem das Album „Debil“ nicht mehr auf dem Index. Das Gremium der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) befand nach einer erneuten Überprüfung, dass die Lieder „Claudia hat 'nen Schäferhund“ und „Schlaflied“ nicht mehr als jugendgefährdend einzustufen sind. Daher wurde die CD aus der Liste gestrichen und ist seither wieder uneingeschränkt im Handel erhältlich.

Am 21. Oktober 2005 erschien des Album „Devil“, eine Neuveröffentlichung des 1984er Albums „Debil“ mit einigen Bonusstücken, unter anderen dem bisher unveröffentlichten Stück „Füße vom Tisch“.

Ende 2005 wurde ein Ringbuchordner mit dem Titel "Die Ärzte: Notenfreund" (Unterüberschrift: "Noten - Der falsche Weg zum Punkrock" veröffentlicht. Er enthält die Texte, Gesangsmelodien und Gitarrengriffe aller Titel sortiert nach Alben. Der Ordner ist erweiterbar, sodass bei Neuveröffentlichungen neue Blätter nachgekauft werden können.

Am 6. Oktober 2006 wird ein weiteres Best-Of Album mit dem Titel "Bäst of" erscheinen. Als Besonderheit wird das ganze in einer Stahlbox ausgeliefert.

Außerdem gaben sie bekannt, dass Die Ärzte am 31. Dezember 2006 ein Silvesterkonzert im Kölner Rhein-Energie-Stadion geben werden, welches den Namen "Ärzte statt Böller" tragen werde. Innerhalb von zwei Wochen waren alle Innenraum-Tickets ausverkauft.

Musikstil

Allgemeines

Über die musikalische Einordnung der Berliner Band wird viel gestritten, da Die Ärzte musikalisch gesehen sehr experimentierfreudig sind. Was sich eindeutig sagen lässt, ist, dass die Musikrichtung der Ärzte zwischen Punk-Rock und Pop liegt.

Der Musikstil der Band wird gekennzeichnet durch sehr simple, einprägsame Melodien und Texte, die zwischen (durchaus erwünschter) Albernheit und Ironie pendeln. Es gibt aber auch Liedtexte mit ernstem Inhalt, die gerade auf den neueren Alben häufiger geworden sind. So sangen Die Ärzte z. B. auch Balladen und Liebeslieder, die meistens aus der Feder von Farin Urlaub stammen, wobei viele (z. B. „Zu spät“, „Komm zurück“,„Nichts in der Welt&ldquo vom Ende einer Beziehung handeln.

Einige Lieder der Ärzte stellen auch Hommagen an musikalische Vorbilder dar; so ist das Lied „Am Ende meines Körpers“ (auf Le Frisur) eine eindeutige Nachahmung des Liedes „Astronomy Domine“ von Pink Floyd. Das Stück „Leichenhalle“ erinnert sehr an den Stil von The Sisters of Mercy. Rods Gesang im Stück „Anti-Zombie“ erinnert nicht zufällig an den Gesang von Glenn Danzig. Auf dem Ramones-Tribut-Sampler „Todos Somos Ramones (A Hommage)“ sind Die Ärzte mit „Die Wiking-Jugend hat mein Mädchen entführt“ (Coverversion von „The KKK Took My Baby Away&ldquo vertreten. Auch das Ärzte-Lied „Mein Baby war beim Frisör“ erinnert stark an das genannte Ramones-Lied. Farin erklärte zudem, dass die Beatles maßgeblich Einfluss auf seine musikalische Entwicklung hatten und ihn auch beim Schreiben seiner Lieder inspirierten.

Auch mit der Zensur wussten sie humorvoll umzugehen. Das Lied „Bitte bitte“ aus dem Album „Das ist nicht die ganze Wahrheit...“ sollte 1988 eine musikalische Aufarbeitung der Indizierung darstellen. Später schrieben Die Ärzte „Ein Lied über Zensur“ und arbeiteten das Thema weiter auf. Live umgehen Die Ärzte das Verbot, die Stücke zu spielen – damals wie heute –, indem sie die Musik spielen und die Fans dazu singen lassen – zumindest bei „Geschwisterliebe“, das in Hamburg 1988 live mit dem Gesang der Fans aufgezeichnet und als Bonus-Single „Der Ritt auf dem Schmetterling“ dem Live-Album "Nach uns die Sintflut" in der ersten Auflage beigelegt wurde, damit nicht das ganze Album wegen des Titels indiziert werden konnte.

Entwicklung

Die Entwicklung der Ärzte als „Spaß-Band“ erklärte sich in der Entwicklung der Band Soilent Grün. Die künstlerischen Vorstellungen der Bandmitglieder entwickelten sich in unterschiedlichen Richtungen. Während der Bassist der Band, Hussi, auf starkes politisches Engagement drängte, wollten die beiden späteren Ärzte-Gründer dem Faktor Spaß mehr Platz einräumen. Aufgrund der künstlerischen Differenzen trennten sich die weiteren Wege der Musiker schließlich. Die Ärzte verstanden sich gerade in der Anfangszeit darauf, nichts zu der politischen Situation in der Welt sagen zu müssen. Gegenbeispiele, wie zum Beispiel das nur live gespielte „Eva Braun“, sind trotzdem anzutreffen.

Ihren eigenen Worten zufolge wurden Die Ärzte in dieser Zeit von dem Pop der 1950er Jahre und den Comedian Harmonists beeinflusst. Besonders die hintergründigen Reime der Comedian Harmonists waren maßgebend für die Entwicklung der Band. Ebenfalls wesentlichen Einfluss auf die künstlerische Entwicklung der Ärzte hatte Dion and the Belmonts. Hieraus haben die Ärzte damals ihren eigenen choralen Punk-Rock mit harmonischen Melodien und dem Pop entlehnten Harmonien ersonnen, was sich später besonders stark in der ersten Mini-LP „Uns geht's prima...“ ausdrückte.

Nach der Neugründung der Band im Jahre 1993 wurde der Musikstil um einiges härter, wozu besonders der neue Bassist Rod González beigetragen hatte. Ferner bezogen Die Ärzte auch in ihren Liedern zunehmend politisch Stellung: Durch den aufkeimenden Rechtsradikalismus sahen Die Ärzte sich 1993 gezwungen, sich mit dem Lied „Schrei nach Liebe“ eindeutig politisch zu positionieren. Weitere mehr oder weniger eindeutige politische Bekundungen wie „Ein Sommer nur für mich“, „Quark“ oder „Kopfüber in die Hölle“ folgten. Später folgten zum Beispiel „Deine Schuld“, „NichtWissen“ und „Die klügsten Männer der Welt“ von ihrem Album „Geräusch“, welche die zu diesem Zeitpunkt vorherrschende Situation in der Welt in Form des Irak-Kriegs kritisieren und dazu aufrufen, etwas dagegen zu tun, allerdings ohne „den mahnenden Zeigefinger“ zu heben. Dennoch blieben Die Ärzte dem Ruf, eine „Spaß-Band“ zu sein, auch auf musikalischer Ebene treu.

In den 90er Jahren fingen Die Ärzte an, punkfremde Musikrichtungen als Stilmittel einzusetzen. Der Song "Wenn es Abend wird" wird von einer Blaskapelle begleitet, "Meine Ex(plodierte Freundin)" ist eine Samba-Nummer und Jazz- bzw. Swingelemente stellen den ersten Teil des Liedes „Punk ist...“ vom Album „13“ dar. In den Alben der Band aus dieser Zeit sticht immer wieder der Einsatz von Bläsern hervor. Mit der aus Wiesloch in Baden-Württemberg stammenden Ska-Band The Busters tourten Die Ärzte und griffen immer wieder auf die Bläserfraktion der Ska-Band zurück, was beispielsweise auf der zweiten Live-LP „Wir wollen nur deine Seele“ im Stück „Männer sind Schweine“ eindeutig zu hören ist. Andere Beispiele für die musikalische Vielfältigkeit und den Hang für Überraschungen ist z.B. das Lied "Jag älskar Sverige!", welches im Salsa-Gewand daherkommt.

Für die Veröffentlichungen „1, 2, 3, 4 – Bullenstaat!“ und „5, 6, 7, 8 – Bullenstaat!“ spielten Die Ärzte die beiden einzigen reinen Punk-Alben der Band ein, die so jedoch nicht im Handel erhältlich sind (Verkauf nur im Fanclub und auf Konzerten).

Verhältnis zum Punk

Mit der Punkszene, aus der die Ärzte ursprünglich kamen, verbindet sie fast nichts mehr. Heutzutage wird den Ärzten von der Punkszene oft vorgeworfen, kommerziell geworden zu sein.

Leicht abzugrenzen von der Punkszene waren und sind die Ärzte dennoch nicht; dem Lebensgefühl und der Kleidung nach sind sie dem Punk mehr oder weniger verbunden. Auch die Zusammensetzung der Band aus Gitarre, Schlagzeug und Bass (minimale Instrumentierung) und die Einfachheit der Kompositionen („drei Akkorde&ldquo entsprach der einer Punkband. Textlich grenzten sich Die Ärzte vor allem in den ersten Bandjahren besonders von dem politischen Grundgedanken des Punk ab; auch die Pop-Anleihen widersprachen den gängigen Vorstellungen einer Punk-Band. Beispiele hierfür sind die Ärzte-Titel „Teenager-Liebe“ und „Teddybär“.

Wie der bandeigenen Biografie zu entnehmen ist, empfand Farin den Politpunkrock der damaligen Zeit als „Sackgasse, die [ihnen] zu stumpf und der [sie] zu albern waren“, und schlug vor, „dass [sie] Popstars imitieren sollten.“ Außerdem hätten Bela und Farin „mit der Gründung der Ärzte schlagartig das Interesse für Hardcore-Punk verloren“.

Durch die bewusste textliche Abgrenzung von den üblichen Punk-Aussagen wurden die Ärzte schnell als Fun-Punk-Band eingeordnet. Der Definition des Fun-Punk nach handelt es sich um eine „lustige Partymusik“, die sich häufig mit absurden Themen, Alkohol-Exzessen oder zynisch-ironischen bzw. sozialkritischen Themen auseinandersetzt.

Jedoch gibt es Lieder der Ärzte, die linkspolitisch sind wie "Schrei nach Liebe", "Ein Sommer nur für mich" oder "Ein Song namens Schunder" . Außerdem sind auf der CD 5, 6, 7, 8 – Bullenstaat! die meisten Lieder gegen Polizei und Staatsgewalt, bzw. den Staat gerichtet.

Es gibt T-shirts und Aufnäher mit der Aufschrift "Ärztefans gegen Rechts" und die Ärzte sind in ihrer Grundeinstellung klar Linkspolitisch eingestellt.

Die Ärzte live

Bei Live-Auftritten interpretierten Die Ärzte die auf Platte als Pop-Stück arrangierten Titel um einiges punkiger, was der Band bereits in der Frühzeit den Ruf einer hervorragenden Live-Band einbrachte. (Klares Beispiel: "Meine Ex(plodierte Freundin)", während der Jenseits der Grenze des Zumutbaren-Tour in einer Oi!-Version gespielt (s.a. Live-DVD Die Band, die sie Pferd nannten)) Von Seiten der Fans wurde immer wieder ein Live-Album gefordert. Dem Drängen wurde nach der Auflösung der Band mit der Veröffentlichung der Live-LP „Nach uns die Sintflut“ nachgegeben.

Der Spaß steht bei Live-Auftritten der Berliner Band im Vordergrund; Mittelpunkt der Auftritte waren – damals wie heute – die Dialoge der beiden Ärzte-Gründer Farin Urlaub und Bela B.; die jeweiligen Bassisten Sahnie, Hagen Liebing und mit Abstrichen Rodrigo González stehen hinter dem Wirken der beiden Protagonisten zurück. Spektakuläre Bühnenshows wie beispielsweise die Industrial-Band Rammstein bieten Die Ärzte allerdings nicht. Bei der Band beliebte stilistische Ausgestaltungsmöglichkeiten der Bühne sind: aufblasbare „Gwendolyne“-Figuren, die ihrem Sado-Maso-Lied „Sweet sweet Gwendolyne“ aus dem Jahr 1986 entlehnt sind, Lichttafeln sowie Lichteffekte diverser Art.

Wie bereits erwähnt, interpretiert die Band die eigenen Stücke vor Live-Publikum um einiges härter als auf den Studio-Alben. Mitunter entstehen hier ganz neue Interpretationen der Stücke. Besonders unter Fans beliebte Titel wie „Elke“, „Der lustige Astronaut“ oder „Radio brennt“ werden live durch die Band textlich immer wieder gern verändert.

Cover-Versionen anderer Bands werden von den Ärzten nur selten gespielt. Dennoch nutzt die Band im Rahmen ihrer eigenen Lieder die Möglichkeit des Zitierens anderer Titel und Künstler. Auch vor Werbefilmchen machen die Ärzte nicht halt (beispielsweise FA-Werbespotanleihen in „Zu spät“ oder „Popstar“ Live-Mitschnitten). Auf allen Live-Platten der Ärzte finden sich Hinweise auf Musik der jeweiligen Zeit. Inwieweit die Ärzte damit anderen Künstlern Tribut zollen oder die Titel ironisieren, ist zumeist nicht bekannt.

Textliche und musikalische Anleihen des Künstlers Prince können – überwiegend live – immer wieder entdeckt werden, beispielsweise durch mehrfache Verwendung von Zitaten und Noten aus dessen erfolgreichsten Titeln „Kiss“ und „Purple Rain“.

Im Gegensatz zur befreundeten Band Die Toten Hosen sind Die Ärzte außerhalb des deutschsprachigen Musikraums weitestgehend unbekannt; Live-Auftritte außerhalb der Bundesrepublik sind daher selten. Dennoch haben Die Ärzte im Rahmen ihrer musikalischen Karriere Live-Konzerte in Luxemburg, Italien, Spanien, Dänemark, Österreich, der Schweiz, Polen und in Japan gegeben. Eine im Jahre 2004 veranstaltete Kurztournee führte die Band durch Südamerika, wo sie nur mit mäßigem Erfolg auftrat, was sicherlich nicht zuletzt auf der geringen Bekanntheit in dieser Region beruhte.

Beziehung zu den Toten Hosen

In der Öffentlichkeit wird zumeist behauptet, dass zwischen den Toten Hosen und den Ärzten eine Feindschaft besteht. Beide Bands sind aus der gleichen Szene hervorgegangen; die Gründungen der Bands erfolgten fast gleichzeitig. Auch wirtschaftlich bzw. kommerziell entwickelten sich beide Bands in ähnlicher Weise.

Parallelen zwischen beiden Bands sind leicht zu finden: Die Düsseldorfer Band Die Toten Hosen und die Berliner Band Die Ärzte rekrutieren ihre Fans teilweise aus den selben Lagern. Als weitere Übereinstimmung engagieren sie sich mehr oder weniger stark politisch links. Gemeinsame Konzerte und Zusammenarbeit fanden ebenfalls statt: Wirkten Wölli und Campino am „Vollrausch-Sampler“ mit, gaben die Ärzte ein Konzert in Kreuzberg zur Bestattung des „wahren Heinos“ (ausführlich siehe Artikel zu den Toten Hosen). Auch gemeinsame Konzerte unter falschen Namen (z.B. "Essen auf Rädern" alias "Die Toten Hosen" und "Die Zu Späten" alias "Die Ärzte" haben beide Bands bereits gegeben.

Die bewusste Abgrenzung der Bands zueinander führte schließlich ungewollt dazu, dass sich beide Bands musikalisch ergänzten. Sprachen die Toten Hosen besonders linkspolitische Jugendliche an, die in den Texten eine gewisse musikalische Ernsthaftigkeit verlangten, sprachen Die Ärzte eher ein Publikum an, das Nonsens-Texte mochte, sich zumeist dennoch politisch links orientierte.

Campino, der Frontsänger der Toten Hosen, fasst die Beziehungen beider Bands in der Biografie von Markus Karg wie folgt zusammen: „Wir waren die Opel-Gang, die Ärzte wollten 2.000 Mädchen.“[1] Bereits in der Anfangzeit mochten und respektierten beide Bands sich gegenseitig; bis heute wird jede neue Veröffentlichung der jeweils anderen Band aufmerksam beobachtet.

Mehrere Missverständnisse führten dann laut Campino zu einem „Klima, das hochgradig vergiftet“ war und „bis zum Tage ihrer Auflösung 1988 auch so bleiben“ sollte [1]. Die Plattenfirmen und die Medien stilisierten die Bands zu Konkurrenten und beide Bands ließen sich dies gefallen. Gleichzeitig grenzten sich Die Ärzte textlich und musikalisch von der Punk-Szene ab, was bei der Düsseldorfer Band missverstanden wurde, wie beispielsweise auch die Zusammenarbeit mit der BRAVO Mitte der 1980er Jahre. Campino definierte diese Spannungen später so: „(...) Dabei wurden wir oft genug gegeneinander ausgespielt, aber wir waren alle zu blöd, um das zu erkennen. Dazu kamen Frauengeschichten, unwichtige und ernsthafte. Das hat manchmal weh getan. (...) Nach all den Jahren würde ich in diesem Punkt sagen: Wir haben uns gegenseitig ein hartes, aber unfaires Unentschieden erkämpft.“ [1]

Gerade zur Auflösung der Ärzte hatten diese von den Toten Hosen erfahren, dass sie sehr enttäuscht darüber waren. Erst mit der Neugründung der Ärzte war das Eis zwischen den Bands endgültig gebrochen; die Hosen wurden mit als erste über die Neugründung der Band informiert. Die Ärzte persiflierten, zitierten und ironisierten in der Folge die Düsseldorfer Band immer wieder mehr oder weniger deutlich. Farin Urlaub schrieb das Ärzte-Stück „Saufen“, das als B-Seite veröffentlicht wurde und die Toten Hosen in ungewöhnlicher Weise persifliert. Mit Sauf-Schlachtgesängen á la „Bis zum bitteren Ende“ oder „Bommerlunder“ nahmen Die Ärzte die Toten Hosen und auch wieder sich selbst auf die Schippe. Mit dem Titel „Las Vegas“ ironisierten Die Ärzte einen der erfolgreichsten Hosen-Titel, „Das Altbierlied“. So heißt es im Ärzte-Lied in leichter Abwandlung des Textes wörtlich „(...) bin ich denn im Wald hier, wo bleibt denn mein Altbier, wir haben hier in Las Vegas den längsten Tresen der Welt (...)“. Aber auch Kollaborationen gibt es: Im Song „Frauen dieser Welt“ der Toten Hosen ist Farin Urlaub mit Backing Vocals zu hören.

 

 

 

 

 

 

3.10.06 11:20
 


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